Utopia Planitia – Bericht 1

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    • Utopia Planitia – Bericht 1

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      Ein Knurren der Frustration hallte durch die durchsichtigen Mauern des Designprojektraumes. Lieutenant Whetus PADD rasselte vom Tisch, als sie es verärgert wegschleuderte. Sie rannte vor und zurück,
      „Ein weiterer kaputter Plasmaverteiler in den Antrieben der Hestia! Die werden mich zum Mannschaftsgrad degradieren und Leitungen schrubben lassen, wenn ich so weiter mache.“, sagte Whetu niedergeschlagen.
      „Sie werden dich nicht degradieren. Zumindest nicht, solange das Projekt noch läuft.“, sagte Elyos. Selbst in seiner gelassensten Stimme konnte der glatzköpfige Deltaner in seinem Sitz sich ein kleines Grinsen zu seinem Kommentar nicht verkneifen. „Es ist immerhin noch etwas Zeit bis zur Veröffentlichung des Prototyps.“
      Whetu blieb stehen und rollte dramatisch mit ihren Augen. „Du könntest wenigstens etwas Nützliches sagen, Elyos.“, sagte sie. „Wie, offensichtlich sind die Keramikteile defekt, was nicht deine Schuld ist, Whetu. Oder, vielleicht sollten wir die EPS-Resonanzfrequenz ändern, selbst wenn das bedeuten würde, dass alle Komponenten nicht länger miteinander funktionieren und jegliche Reparaturen an dem Schiff auf einer Sternenbasis vorgenommen werden müssten und somit jegliche Langstreckenoperationen zunichte gemacht wären. Oder, lass es für heute gut sein und gönn dir etwas Synthehol.“
      Elyos streckte sich gelassen nach dem weggeworfenen PADD und zog es zu sich. Er blickte zu Whetu, deren Maori Moko ihren Gesichtsausdruck verzerrte und ihr unzufriedenes Stirnrunzeln in etwas viel Finsteres verwandelte. „Reiß dich zusammen, Whetu.“, sagte er. „Sonst platzt du noch wie einer dieser Verteiler. Lass dich vom Druck nicht unterkriegen.“
      „Das sagst du so einfach.“, antwortete Whetu. „Du musst dich nicht um das gesamte Energiesystem kümmern. Du musst nur installieren, überprüfen, wiederaufbauen. Du bist nicht verantwortlich, wenn der gesamte Maschinenraum mit superheißem Plasma geflutet wird.“
      Elyos seufzte und sagte, „Ich bin vielleicht nur ein Fähnrich, aber das ist auch mein Problem. Du musst einen Weg finden, den Überdruck zu regulieren – deinen und den der EPS-Gitter.“ Er legte das PADD mit einer Geste der Gleichgültigkeit zurück auf den Tisch.
      Whetu hielt inne und atmete langsam aus. Zu viel Druck, in jederlei Hinsicht, dachte sie. Dampf ablassen ... alles rauslassen ... Zuhause, auf Neuseeland, würde sie am Strand spazieren gehen oder an einem windigen Tag vielleicht einen Drachen bauen. Auf Utopia Planitia gab es keinen Platz für diese Art von Entspannung, auch wenn die Holodecks auf Ares City nur eine Transporterreichweite entfernt waren. Dennoch, als sie aus dem Fenster auf die Gerüste und die riesigen Aufbauten für die Hestia blickte, fühlte sie sich, als würde sie versuchen, diese Kluft des Weltraums nur mit ihrem Willen zu überwinden.
      Komisch, dachte sich Whetu, eigentlich hasse ich Boot fahren. Und doch bin ich hier und baue Schiffe, die den Weltraum durchqueren. Ihre Abneigung gegenüber Booten war zuhause schon immer ein Streitpunkt gewesen, aber nur weil es „Tradition“ war, musste sie sich deswegen nicht anpassen. Sie verbrachte viel Zeit damit, die einfachen Holzkanus, Stolz ihres Vaters und kultureller Grundstein, zu verbessern, und nun war sie in der Sternenflotte und tat das Gleiche an riesigen Schiffen. Jedes Mal, wenn sie an den alten Kanus arbeitete, setzte sie Geräte ein, um sie zu modernisieren oder effizienter zu machen und jedes Mal kicherte ihr Vater mit seinem tiefen und mächtigen Gelächter und spornte sie weiter an. Er erfreute sich an der Schlichtheit der einfachen Holzboote, ohne irgendwelche Zusätze oder „Modernisierungen“.
      Vielleicht so einfach? Vielleicht …
      Whetu schritt zu einer der großen Transparenzanzeigen in der Mitte des Raumes. Mit einer Geste stellte sie den Fokus auf die EPS-Systeme des Schiffes. „Warte.“, sagte sie, „Wir haben es als typisches High-Tech-Plasma behandelt. Es erzeugt ungeheure Energiemengen, um die taktischen Systeme des Schiffes zu versorgen und zerlegt dabei die Plasmaverteiler. Aber Plasma ist nur ionisiertes Gas. Was, wenn wir es wie Dampf behandeln?“
      Elyos runzelte die Stirn und sagte, „Ich kann dir nicht folgen.“
      „Alte Seefahrschiffe der Erde haben Dampfenergie für den Antrieb verwendet. Und wenn die Dampfenergie zu viel Druck aufbaute, dann hat man den überschüssigen Dampf abgelassen. Als sich die Technik verbesserte, entwickelte man Systeme, die den Dampf automatisch abließen. Später wurde es durch andere Technologien ersetzt ... aber das ist jetzt nicht wichtig. Wir brauchen einen Weg, die Druck sicher abzulassen.“
      „Zwei Dinge.“, sagte Elyos, lehnte sich nach vorn und hob seine Hand, um eine Frage zu stellen. „Erstens, wie bekommen wir mehr Plasma, wenn wir es ständig ablassen, wenn der Druck zu hoch wird? Und Zweitens, warum gehen menschliche Ingenieure immer zu uralten Erdenschiffen zurück? Auf Delta IV unterhalten wir uns nicht über frühe soziale Entwicklungen oder Metaphern über längst vergangene Tage, als Deltas noch Haare hatten.“
      Whetu winkte abweisend mit ihrer Hand. „Mach dir nichts draus.“, sagte sie. „Es ist nur ein Vergleich. Wir können das überschüssige Plasma über die Gefahrenemitter ablassen. Und du weißt, wie man mehr Plasma erhält – wir passen einfach die Dilithiummatrix an ...“
      Elyos wurde von ihrer Aufregung angesteckt und stand aus seinem Stuhl auf und sagte, „... und machen den Warpkern ineffizient genug, um überschüssiges Plasma zu erzeugen, um damit das System zu versorgen! Oh, das ist gut. Wir verwenden weniger fortschrittliche Technologie und erhalten die Ergebnisse, die wir wollen. Das Gefällt mir.“ Er betrachtete die Pläne auf dem Bildschirm und neigte seinen Kopf erst auf die eine, dann auf die andere Seite.
      Nach einem Moment, räusperte Elyos sich sanft und sagte, „Lieutenant, wird der Plasmaausstoß nicht extrem unbeständig sein?“
      Whetu tippte auf ihr PADD in ihrer Hand und schickte die kleine Anzeige auf den Hauptbildschirm. Die Pläne ihres unkonventionellen Designs erschienen und sie sagte, „Das ist nur ein Problem, wenn du dich in einem feindlichen Schiff befindest. Wenn du in einem verbündeten Schiff sitzt, wird der Hauptdeflektor das Plasma wie alle anderen kosmischen Teilchen behandeln. Wir befinden uns alle auf der gleichen Wellenlänge. Solange der Warpkern variable Effizienz für seine Leistung hat, kann er zusätzliches Plasma für das System erzeugen oder auf minimale Plasmanebenproduktion wie ein moderner Antrieb verringert werden und so laufen wie wir wollen.“
      „Nun.“, sagte Elyos und richtete sich auf, „Wenn das funktioniert, wird es etwas Arbeit an der Bauweise der Dilithiummatrix benötigen, um variable Effizient zu gewährleisten, aber es wird uns etwas Zeit am EPS-System ersparen, wodurch wir insgesamt Zeit gewinnen werden – und es wird die Probleme mit dem Energiesystem lösen. Außerdem werden die zusätzlichen Verteidigungssysteme die Ballerfreunde der taktischen Abteilung extrem glücklich machen.“
      „Und deshalb ...“, sagte Whetu mit einem Grinsen, „... habe ich mir die hier verdient.“ Sie zeigte auf einen Moko Kauae auf ihrem Kinn. „Sie ritzen diese Symbole nicht jedem mit einem technischen Abschluss ein.“ Mit einem Doppelklick rief sie ein Menü auf, um ihre vorläufigen Ideen zu überprüfen. „Wir haben alles ... Elyos, das sieht machbar aus. Ich glaube, das wird funktionieren!“
      Der Deltaner lächelte über die Euphorie von Whetu und sagte, „Dann denke ich, dass es Zeit ist, dass ich einen der vorhin genannten Vorschläge anbringe: Lass es für heute gut sein und gönn dir etwas Synthehol.“